
Haben Sie schon einmal die Haustür geschlossen und sich wenige Minuten später gefragt, ob Ihre Katze wirklich alles hat, was sie für die nächsten Stunden braucht? Dieses Gefühl kenne ich gut, denn gerade bei Katzen täuscht ihre scheinbare Unabhängigkeit schnell darüber hinweg, wie stark sie an feste Abläufe gebunden sind. Eine Katze muss nicht rund um die Uhr beschäftigt werden. Trotzdem macht es einen deutlichen Unterschied, ob man einfach nur genügend Futter hinstellt oder die Wohnung so vorbereitet, dass das Tier seinen gewohnten Rhythmus möglichst problemlos beibehalten kann.
Interessanterweise sind es oft nicht die großen Dinge, die Probleme verursachen. Ein leerer Wassernapf, eine versehentlich geschlossene Zimmertür oder ein gekipptes Fenster können wichtiger sein als das teuerste Katzenspielzeug. Wer seine Katze gelegentlich alleine lässt, sollte deshalb weniger darüber nachdenken, wie man sie permanent unterhält, sondern vielmehr darüber, welche kleinen Störungen während der eigenen Abwesenheit entstehen könnten.
Die Wohnung einmal aus Katzenperspektive ansehen
Bevor ich länger aus dem Haus gehe, mache ich inzwischen einen kurzen Rundgang. Dabei schaue ich nicht danach, ob die Wohnung ordentlich aussieht, sondern ob irgendwo etwas steht, hängt oder offen ist, das einer neugierigen Katze Probleme bereiten könnte. Einkaufstüten mit Griffen verschwinden ebenso wie dünne Schnüre, offene Verpackungen oder herumliegende Gummibänder. Gerade Dinge, die im Alltag völlig harmlos wirken, werden plötzlich interessant, wenn mehrere Stunden niemand da ist.
Besonders kritisch finde ich gekippte Fenster. Katzen können versuchen, durch den Spalt zu gelangen und dabei hängen bleiben. Wenn gelüftet werden soll, braucht es eine entsprechend gesicherte Lösung. Auch Balkon- und Terrassentüren sollten entweder geschlossen oder wirklich katzensicher sein. Ein vermeintlich kleiner Spalt ist keine zuverlässige Sicherung.
Danach kontrolliere ich einige einfache Punkte:
- frisches Wasser an mindestens einem gut erreichbaren Platz, bei längerer Abwesenheit besser an zwei Stellen,
- ein sauberes Katzenklo ohne unnötig hohen Füllstand,
- keine erreichbaren Schnüre, Plastiktüten oder leicht verschluckbaren Kleinteile,
- freie Wege zu Schlafplatz, Kratzbaum und Rückzugsort,
- keine Räume, deren Türen unbemerkt zufallen können.
Futter ist nicht nur eine Frage der Menge
Bei Trockenfutter ist die Vorbereitung vergleichsweise unkompliziert. Schwieriger wird es mit Nassfutter, das nicht stundenlang in einer warmen Küche stehen sollte. Für eine normale Abwesenheit über einige Stunden reicht häufig die übliche Fütterung vor dem Verlassen der Wohnung. Wer länger unterwegs ist, kann einen geeigneten Futterautomaten verwenden. Manche Modelle besitzen Kühlakkus, wodurch Nassfutter länger frisch bleibt.
Was ich vermeiden würde, ist der berühmte „Sicherheitsberg“ aus Futter. Manche Katzen teilen sich eine große Portion selbst ein, andere fressen sie innerhalb kurzer Zeit. Mehr Futter bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Versorgungssicherheit. Sinnvoller ist es, den normalen Fütterungsrhythmus möglichst wenig zu verändern.
Wie viel Beschäftigung braucht eine Katze wirklich?
Eine Wohnung muss während der Abwesenheit nicht zum Freizeitpark werden. Katzen schlafen ohnehin einen erheblichen Teil des Tages. Trotzdem hilft es, wenn sie zwischen ihren Ruhephasen etwas beobachten oder erkunden können. Ein Platz am gesicherten Fenster ist für viele Tiere interessanter als fünf neue Spielzeuge auf dem Boden. Auch ein stabiler Kratzbaum, erhöhte Liegeflächen oder ein Karton können überraschend viel ausmachen.
Spielzeug lasse ich nur dann unbeaufsichtigt liegen, wenn sich keine Schnüre, Federn oder kleinen Teile lösen können. Angelspielzeug beispielsweise gehört für mich nach dem Spielen wieder in den Schrank. Ein kleiner Ball oder ein robustes Beschäftigungsspielzeug ist deutlich unkomplizierter.
Wie lange diese Vorbereitung überhaupt ausreichen kann, hängt natürlich davon ab, wie lange eine Katze alleine bleiben kann und ob es sich um ein gesundes erwachsenes Tier, ein Kitten oder eine Katze mit besonderen Bedürfnissen handelt. Genau deshalb sollte man die Wohnung nicht unabhängig von der geplanten Dauer vorbereiten.
Warum zwei Katzen nicht automatisch alles einfacher machen
Oft hört man, zwei Katzen könnten problemlos länger alleine bleiben, weil sie sich gegenseitig beschäftigen. Das kann stimmen, muss aber nicht stimmen. Gut miteinander harmonierende Tiere geben sich tatsächlich Gesellschaft. Trotzdem kann keine zweite Katze frisches Wasser nachfüllen, ein verschmutztes Katzenklo reinigen oder bemerken, dass die andere plötzlich erbricht.
Hinzu kommt, dass manche Konflikte gerade dann entstehen, wenn Ressourcen knapp werden. Deshalb sollten bei mehreren Katzen mehrere Wasserstellen und ausreichend Toiletten vorhanden sein. Auch Rückzugsmöglichkeiten sind wichtig. Zwei Tiere, die sich tagsüber friedlich ein Sofa teilen, möchten nicht zwangsläufig jede Stunde gemeinsam verbringen.
Wann eine Betreuung sinnvoller ist als Vorbereitung
Irgendwann erreicht jede noch so sorgfältig vorbereitete Wohnung ihre Grenze. Wer über Nacht oder deutlich länger wegbleibt, sollte eine zuverlässige Person einplanen, die nach dem Tier sieht. Dabei geht es nicht nur ums Nachfüllen von Futter. Eine Betreuung bemerkt auch Veränderungen: Hat die Katze gefressen? Ist das Katzenklo benutzt worden? Verhält sie sich ungewöhnlich ruhig? Liegt irgendwo Erbrochenes?
Ein kurzer täglicher Kontrollbesuch kann wesentlich wichtiger sein als ein voller Futternapf. Bei jungen, alten, kranken oder medikamentenpflichtigen Katzen muss die Betreuung entsprechend enger organisiert werden.
Am Ende zeigt sich gute Vorbereitung oft daran, dass nach der Rückkehr erstaunlich wenig passiert ist. Die Katze steht verschlafen auf, streckt sich, läuft zum Napf und verhält sich, als wäre man nur zehn Minuten weg gewesen. Genau das ist eigentlich das beste Zeichen: Nicht möglichst viel Unterhaltung während der Abwesenheit ist das Ziel, sondern eine Umgebung, in der der vertraute Alltag einfach weiterlaufen kann.